Viele denken, dass Leadership mit Macht zu tun hat – aber das ist ein großer Fehler. Macht über jemand anderes bekommt man zum Beispiel auch durch eine Waffe. Wenn ich eine Waffe habe, dann habe ich die Macht, Kommandos zu geben, und in den meisten Fällen wird mir gefolgt. Aber das hat wenig mit Leadership zu tun.

Der Soziologe Max Weber definiert die beiden Begriffe “Autorität” und “Macht” in seinem Buch “The Theory of Social and Economic Organization“. Er beschreibt, dass man als Leiter dann Macht hat, wenn Leute folgen, weil sie keine Wahl haben.

Wenn sie aber folgen, weil sie das wollen, dann hat man Autorität. Macht zwingt dich, Dinge zu tun, Autorität lässt dich Dinge tun wollen. Bei Macht geht es um dich, bei Autorität geht es um den Anderen.

Kurz gefasst:
Macht: Leute folgen, weil sie müssen.
Autorität: Leute folgen, weil sie wollen.

Mutter Teresa, zum Beispiel, hatte Autorität, nicht weil sie irgendeine Position innehatte, sondern weil sie sich das Recht, gehört zu werden, verdiente, indem sie „die Ärmsten unter den Armen“ in Calcutta liebte. Martin Luther King hatte nicht wegen seines politischen Status‘ Autorität, sondern weil er gewillt war, der Gerechtigkeit zu dienen, auch wenn das seinen Tod bedeutete.

Einer der großen Fehler, der auch immer wieder von erfahrenen Leitern begangen wird, ist, sich als Boss zu verstehen und durch Macht leiten zu wollen. Wahre Leiter verstehen sich in erster Linie als Diener.
Gute Leiter dienen dem Auftrag der Organisation und den Menschen, für die sie verantwortlich sind. Das Resultat davon ist, dass sie als Leiter immer mehr Autorität bekommen.

Während der letzten dreißig Jahre wurde dieser Leadership-Stil als «Servant Leadership» bekannt. Der Ausdruck Servant Leader wurde im Jahr 1970 von Robert K. Greenleaf kreiert und durch seine Publikationen bekannt. Der Leiter versteht sich in erster Linie als ein Diener, der den Menschen und dem Unternehmen dient und nicht über sie herrscht.

Ein chinesischer Spruch fasst das ganz gut zusammen:

Gehe zu den Menschen, lebe unter ihnen, lerne von ihnen, liebe sie.
Beginne mit dem, was sie wissen, baue auf dem auf, was sie haben. Aber bei den besten Leitern, wenn ihre Aufgabe ausgeführt ist, ihr Werk erfüllt ist, werden die Menschen sagen, „Wir haben es selbst geschafft“.

 

 


Philip Zimmermann
Philip Zimmermann

Nach seinem Theologie- und Wirtschaftsstudium in der Schweiz und den USA hat Philip Zimmermann in Strategic Leadership promoviert. Gerade
in der Kombination von Theologie und Wirtschaft sieht er eine sehr interessante Herausforderung, die ihn dazu geführt hat, verschiedene Organisationen und Unternehmen selbst zu gründen und mit aufzubauen. Philip Zimmermann hat live zu mehr als 50.000 Menschen gesprochen und hält über 50-mal im Jahr Seminare und Vorträge zu verschiedenen Themen im Bereich wirtschaftliches und persönliches Wachstum, Leadership und Theologie.