Ein Fehler, den Unternehmer immer wieder machen, ist, zu glauben, dass langfristiges Planen zum Erfolg führt. Im Gegenteil, wir müssen als Unternehmer eher die Kunst des Reagierens erlernen als die Wissenschaft des Planens.

Langfristiges Planen hört sich erst mal klasse an, aber in den meisten Fällen ist es nicht hilfreich oder praktisch, weil wir in einer Zeit leben, die sich ständig verändert.

Hogarth und Makridakis bestärken diesen Gedanken, indem sie sagen:

“Langzeitprognosen (2 Jahre oder länger) sind notorisch ungenau.“

Also: Anstatt die Wissenschaft des Planens zu erlernen, lasst uns die Kunst des Reagierens lernen!

Als allererstes müssen wir verstehen, dass sich die Welt heute schneller verändert als jemals zuvor.

John Ed Mathison vergleicht die letzten 3000 Jahre mit einer Ein-Stunden-Uhr. Er stellt dar, dass im Rahmen einer 60-Minuten-Periode die größten Veränderungen der Welt innerhalb der letzten neun Minuten passierten. Vor neun Minuten wurde die Druckerpresse erfunden. Vor drei Minuten das Telegramm, der Plattenspieler und die Züge. Vor zwei Minuten erschienen das Telefon, das Auto, das Radio und das Flugzeug.
Der Fernseher wurde erst vor 10 Sekunden, der Computer vor 5 Sekunden entdeckt. Satelliten und Laserstrahlen gibt es seit 1 Sekunde. Wenn man die 1-Stunden-Skala in Bezug auf die Geschichte der Medizin betrachtet, wurden Antibiotika vor 1 Minute entdeckt. Und vor zehn Sekunden wurde eine OP am offenen Herzen Realität.

Die Zeit, in der wir leben, dreht sich schneller und schneller – und das müssen wir als Leiter verstehen. Langfristige Pläne sind so ausgelegt, dass sich nichts ändert. Es liegt in der Natur von Plänen, dass sie nicht flexibel sind. Ihre Aufgabe ist es, klare Richtung und Stabilität zu geben. 
Aber unsere Zeit ändert sich so schnell, dass sie genau dadurch oft überflüssig werden.

Selbst die großen Organisationen verstehen das immer besser.

Google plant zwar, aber reagiert auch.

Zum Beispiel gibt Google seinen Mitarbeitern 15-20 % ihrer Zeit frei, um an dem zu arbeiten, worauf sie gerade Lust haben. Sie sollen einfach mit ihrer Kreativität spielen. Daraus hat sich Gmail, Google Welt, Gmail Laps und Gmail News entwickelt.

In Australien gibt es das Software-Unternehmen Atlassian, das seinen Mitarbeitern 4-mal im Jahr 24 Stunden Zeit gibt, an was auch immer zu arbeiten und dann am nächsten Tag darüber zu berichten. Sie nennen diese Tage „FedEx-Tage“, weil sie etwas über Nacht abgeben und präsentieren müssen.

Also:

Lerne nicht nur die Wissenschaft des Planens, sondern auch die Kunst zu reagieren.


Philip Zimmermann
Philip Zimmermann

Nach seinem Theologie- und Wirtschaftsstudium in der Schweiz und den USA hat Philip Zimmermann in Strategic Leadership promoviert. Gerade
in der Kombination von Theologie und Wirtschaft sieht er eine sehr interessante Herausforderung, die ihn dazu geführt hat, verschiedene Organisationen und Unternehmen selbst zu gründen und mit aufzubauen. Philip Zimmermann hat live zu mehr als 50.000 Menschen gesprochen und hält über 50-mal im Jahr Seminare und Vorträge zu verschiedenen Themen im Bereich wirtschaftliches und persönliches Wachstum, Leadership und Theologie.